02.12.2006
Auf die Schiene gesetzt

Die HB 1200 S verläßt nach 8 Monaten die Werkshalle
Es war das größte Projekt der SCHMIDT Gruppe in diesem Jahr und seit Samstag, 2. Dezember, steht es sicher auf Schienen: die Selbstfahrende Bahnschneeschleuder HB 1200 S. Von Ende März bis kurz vor der Auslieferung waren Mitarbeiter von SCHMIDT und BEILHACK (seit Juli 2005 Teil der SCHMIDT Gruppe) im Einsatz, um diesen Auftrag zu stemmen. Der lautete: Eine gut 30 Jahre alte Bahnschneeschleuder der norwegischen Staatsbahn auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen.
Dabei kam die Revision der Lokomotive einem Neubau nahe, weil viele Teile nach 30 Jahren Einsatz unter schweren klimatischen Bedingungen ausgewechselt werden mussten. Und die eindrucksvolle Schleudereinheit wurde komplett erneuert. Produktionsleiter Thomas Berger hat einen logischen Vergleich: „Wenn sie ein 30 Jahre altes Auto auf Vordermann bringen, dann steckt anschließend viel Technik drin, die es damals einfach noch nicht gab.“ Drei Motoren – zwei für die Doppelschleuder, einer für den Fahrantrieb – bringen zusammen 1.284 kW Leistung auf. Damit schafft die HB 1200 S, die von SCHMIDT intern auf den Namen „Flotter Anderl“ getauft wurde, beim einem Räumtempo von 60 km/h bis zu 22.000 Tonnen Schnee pro Stunde von den Schienen. Den Namen erhielt die Speziallokomotive, weil Markus Anderl der führende Kopf bei der Konstruktion der Schneeschleuder bei BEILHACK war und auch bei der Revision die Leitung übernahm.
Am Samstagvormittag war es soweit. Zwei Schwerlastkräne aus Bad Säckingen und ein Tieflader aus dem Ortenaukreis waren nach St. Blasien gekommen, um die Selbstfahrende Bahnschneeschleuder zum nächsten Gleisanschluss zu bringen. Die Domstadt an der Alb verfügt nicht über einen Bahnhof, der nächste befindet sich in Seebrugg. Doch dort gibt es kein Anschlussgleis, auf das die HB 1200 S gesetzt werden könnte.
Nachdem die beiden Kranwagen in Position gebracht und ausreichend gesichert worden waren, ertönte ein gellender Pfiff. Auf einem extra Gleisstück rollte der glänzende „Flotte Anderl“ aus der Halle 1, die mit einem großen Spruchband geschmückt war, auf dem ihm eine „gute Reise“ gewünscht wurde. Das tat er jedoch nicht aus eigener Kraft, sondern er wurde geschoben.

Verladung auf den Tieflader vor der Werkshalle
Zahlreiche Besucher beobachteten das Schauspiel, das von der SCHMIDT-Werkskapelle begleitet wurde. Die spielte auch, als Leentje Schwald die Spezialräummaschine mit einer Flasche Sekt taufte. Walter Schmitz nutzte die Gelegenheit, um im Namen der Geschäftsführung den Mitarbeitern seinen Dank auszusprechen. Es sei eine enorme Leistung gewesen, der großer Respekt zu zollen sei.
Zwei Spezialkräne hoben die 4,27 Meter hohe, 3,15 Meter breite und 13,25 Meter lange HB 1200 S dann langsam auf den bereitstehenden Tieflader. Und der machte sich dann auf den Weg, die Bundesstraße 500 hinauf zum Feldberg. Begleitet wurden er und das Geschehen von vielen Besuchern, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten.

Auf dem Weg zum Verladebahnhof
Der Konvoi aus Tieflader, Sicherheitsfahrzeugen und den beiden Kränen sowie etlichen SCHMIDT-Mitarbeitern erreichte den Bahnhof Feldberg-Bärental nach 22 Kilometern zum vereinbarten Zeitpunkt, auch hier passte die Planung der SCHMIDT-Verantwortlichen. Dort wurden die Kräne dann wieder in Position gebracht. Wieder begleitet von vielen Augenpaaren und zahlreichen Kameras wurde die 64,5 Tonnen schwere Räummaschine dann auf ein Anschlussgleis gesetzt. Auch da war Millimeter-Arbeit notwendig, damit die Schneeschleuder sicher auf den Schienen zum Stehen kam.
Nicht nur Walter Schmitz strahlte beim Anblick der glänzend gelben Lok mit der Kennzeichnung 039 5011-0, als sie erstmals auf Gleisen stand. Die Mitarbeiter, die mit hohem persönlichen Engagement für die Realisation dieses Projekts gesorgt hatten, waren ebenfalls mehr als zufrieden, ihre Arbeit erfolgreich beendet zu sehen.
Fast jedenfalls. Denn in einigen Tagen wird ein Team von SCHMIDT nach Hamar in Norwegen reisen, um letzte Tests mit der HB 1200 S zu unternehmen und die Abnahme zu begleiten. Und von Januar 2007 an soll sie für freie Strecken bei starkem Schneefall sorgen. Erst dann, so Produktionsleiter Thomas Berger, ist das Projekt für ihn richtig abgeschlossen. Doch den letzten Wochen kann er gelassen entgegen sehen. Schließlich ist auf seine Mitarbeiter und deren Arbeit Verlass.

Am Bahnhof Feldberg-Bärental
